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Juli 2004
Madame Ananá - so
nennen wir die alte Strandhändlerin - hat uns
gerade eine frische Ananas mundgerecht zubereitet,
die wir auf unseren Strandliegen genüsslich
verzehren. Fünf
Meter vor uns liegt, in malerischem türkisblau,
der Indische Ozean. Das Geräusch seiner Wellen,
die sich am Riff etwa 150m vor dem Strand brechen,
unterlegt die Szene akustisch mit einem beruhigenden
Rauschen. Fünf Meter hinter uns die Palmen.
So lässt es sich aushalten. Wir sind auf Mauritius.
Mauritius,
fast jeder, der diesen Namen schon einmal gehört
hat, verbindet damit folgende Assoziationen: Weißer
Sand, türkisblauer
Strand, Palmen, Schnorcheln, Luxushotels, leckeres
Essen, sehr freundliche Menschen etc. und liegt
damit richtig.
Es ist unsere zweite
Urlaubswoche und wir machen auf Mauritius genau
das, was man dort am Besten kann: Relaxen. Selbst
der Besuch der Sehenswürdigkeiten kann, trotz
Linksverkehr, völlig stressfrei sein - vorausgesetzt
man nimmt ein Taxi. Für umgerechnet ca. 56,00 € hat
uns Aukhez Ramesh Kumar in seinem Taxi fast
10 Stunden und ca. 180 km über die Insel gefahren.
Dabei war er nicht nur ein perfekter
Fahrer, sondern auch Reiseleiter, Unterhalter und
immer freundlicher Ansprechpartner für alle
Fragen in einer Person. Angenehmer lässt sich
eine Besichtigungstour auf Mauritius kaum
gestalten.
La Reunion, wo wir
die erste Urlaubswoche verbracht haben, hat uns deutlich
mehr gefordert. Erkundet haben wir diese wunderschöne
Insel auf eigene Faust mit dem Mietwagen und zu Fuß. Mit
einer Ausdehnung von ca. 50 km x 60 km ist La
Reunion nicht
riesig und hat dennoch so unglaublich viel zu bieten.
Eine Fahrt auf der Küstenstraße um die
Insel (ca. 210 km) lässt schon ungefähr
erahnen, wie vielfältig die Landschaft ist.
Die
Fahrt über die Küstenstraße von St.
Denis in
Richtung Süden führt zunächst über
verkehrsreiche Straßen durch eher trockene Vegetation.
Ab St. Gilles les Bains, unserer Station auf La
Réunion, lässt der Verkehr deutlich
nach, die Küste wird immer eindrucksvoller und
die Landschaft immer grüner.
Besonders gut gefällt uns
die Strecke zwischen St. Leu und St. Rose.
In den Gärten und am Wegesrand findet sich eine üppige
Blütenpracht. Überall entdecken wir Pflanzen,
die wir in unseren Breiten nur als Zimmerpflanzen oder
aus dem Botanischen Garten kennen. In beeindruckender
Größe wachsen viele davon hier wild am Wegesrand.
Ein
absolutes Highlight ist die Straße zwischen St.
Rose und Le
Tampon, die einzige Straße die La Réunion
quert. Durch spektakuläre Landschaft kräuselt
sie sich, in unzähligen Kurven, von Meereshöhe
bis auf knapp 1700 m am Col de Bellevue,
um uns dann auf ebenso beeindruckende Weise auf
der anderen Seite der Insel wieder ans Meer zurück
zu bringen. Wer Zeit und Muße hat, sollte
unbedingt die an der Westküste auf halber
Höhe, parallel zur Küste liegende D3
Richtung Trois-Bassins entlang fahren.
Viele
Ah's und Oh's und tolle
Fotomotive sind der Lohn. Und wenn man denkt besser
kann es nicht mehr kommen, packt die Insel noch einen
drauf. Der Blick vom Piton Maido in den Cirque
de Mafate, über die fast tausend Meter
steil abfallende Wand, ist ein Anblick den man so
schnell nicht vergisst.
Als Kanada erprobte Wanderer
und weil es - Gott
sei Dank - hier keine Straßen gibt, steht eine
Wanderung auf unserem Programm. Über steile
Bergpfade (Trittsicherheit und gute Kondition erforderlich)
steigen wir ab in den Cirque, Richtung Roche
Plate. Bei ständig wechselnder Beleuchtung
steht die Kamera kaum still, um die atemberaubenden
Ausblicke festzuhalten. Wer keine Übernachtung
im Cirque plant, muss früh los, um die Strecke
nach Roche Plate und wieder zurück
zum Parkplatz am Piton Maido zu schaffen
(ca. 10 Stunden). Auch weil die Berge auf La
Réunion um diese Jahreszeit nur bis um
die Mittagszeit Wolkenfrei sind, empfiehlt sich ein
früher Aufbruch.
Deshalb
klingelt auch für unsere nächste
Wanderung, von Cilaos zum Col du Taibit,
der Wecker früh. Wie bei den anderen Ausflügen,
ist schon die Fahrt in den Cirque de Cilaos ein
Erlebnis. Auf den letzten 30 km reihen sich über
300 Kurven aneinander, was in der Praxis bedeutet,
dass das Lenkrad nie still steht. Ein Traumpanorama
reiht sich an das Nächste.
Mit dicken Armen vom
Lenken erreichen wir den malerisch gelegenen Ort Cilaos.
Von einem kleinen Parkplatz kurz hinter dem Ortsausgang
starten wir unsere Wanderung. Durch herrliche Waldpfade,
mit immer wieder tollen Ausblicken, schlängelt
sich der Weg nach oben. Imposant ist der Anblick
der fast Handteller großen Spinnen.
Meine Tochter Ronja
und meine Frau Andrea sind froh, dass durch die auch
hier dichte Vegetation die Steilheit der begangenen
Bergflanken nicht auffällt. Nach
ca 3,5 Stunden erreichen wir den Col du Taibit und
genießen bei Käse und Baguette den herrlichen
Ausblick auf das Örtchen Marla und den Cirque
de Mafate. Für den Abstieg nach Marla ist
der Tag schon zu weit fortgeschritten. Die Wolken verdrängen
bereits zunehmend die Sonne, die Füße werden
müde und so machen wir uns auf den Rückweg.
Eine
weiterer schöner Ausflug bietet
sich direkt in unmittelbarer Nähe von St. Gilles
les Bains an. Er führt zu den Bassin des
Aigrettes. Ist der - schwer zu findende - Einstieg
erst einmal gefunden, muss man nur noch dem dann
deutlich sichtbaren Pfad folgen. Entlang an Wasserkanälen
und großen Bambusstauden geht es bis zum Bassin.
Ein herrlicher Anblick, wie die Wasserkaskaden in
das tiefblaue Bassin fallen, während oben die
weißen, exotisch aussehenden Vögel
ihre Runden drehen.
Für die fleißigeren
Wanderer empfiehlt es sich auch zu den oberen Bassins
zu steigen um den schönen Ausblick auch von
oben zu genießen. Eine herrliche Gelegenheit
zum erfrischenden Bad bieten die Bassins allen
Wasserratten, denen nicht schon der Gedanke an ungeheiztes
Wasser eine Gänsehaut über den Rücken
jagt. Ideale Voraussetzungen also für meine
Tochter Ronja, für die eine ungenutzte Bademöglichkeit
undenkbar ist.
Meine Frau und ich warten mit
dem Baden lieber bis wir wieder zurück am -
angenehm warmen - Meer sind. Bewaffnet mit Tauchbrille
und Flossen kommt beim Schnorcheln vor St.Gilles
les Bains schnell
ein „Jaques Cousteau-Gefühl“ auf.
Eine unglaubliche Vielfalt an Fischarten, in allen
möglichen
und unmöglichen Farben und Größen schwimmt
uns, selbst in unmittelbarer Strandnähe, direkt
vor die Taucherbrille.
Anders als auf Mauritius ist
hier - wegen
dem eher felsigen Grund - das Wasser bereits
wenige Meter vom Strand glasklar. Fasziniert Schnorcheln
wir hinter den bunten Fischen her und genießen
Anblicke, wie man sie sonst nur aus Salzwasseraquarien
kennt. In der Begeisterung über
die Vielfalt geht das Gefühl für Entfernung
und Wassertiefe völlig
verloren. Als wir erschrocken auftauchen, stellen
wir fest, dass wir noch nicht bis vor die Küste
von Madagaskar getrieben sind, sondern immer noch
im hüfthohen
Wasser dümpeln, 5 m vom Strand entfernt.
„Papayá, Cocó,
Ananá!“ Die singende Stimme von „Madame
Ananá“ weckt mich aus meinen Gedanken.
Sie ist auf Ihrer täglichen Strandtour wieder
an unserem Strohschirm angekommen.
Ich glaube diesmal
nehmen wir eine Kokosnuss, damit uns die Zeit bis
zum traumhaften Sonnenuntergang und dem fantastischen
Abendbüffet in unserem
Hotel Trou aux Biches nicht zu lange wird.
Bernhard
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